Auch, wenn ich die Weisheiten der alten Stoiker generell gut finde, stimme ich ihnen doch nicht immer zu. Manche von ihren Lehren oder Weisheiten bedürfen einfach einer Relativierung. Oder müssen in einen Kontext gestellt werden. Heute geht es mir um ein solches Beispiel von Eptiktet. In ‚Enchiridion‘ schreibt er:

‚Denke daran: Nicht derjenige, der es auf dich abgesehen hat und dich angreift, schadet dir – nein, der Schaden entsteht erst dadurch, wie du über diese Misshandlung denkst. Wenn also jemand deinen Ärger hervorruft, bedenke, dass es deine eigene Meinung ist, die den Ärger entfacht. Stattdessen sollte deine erste Reaktion sein, dass du dich von solchen Eindrücken nicht überwältigen lässt, denn mit genug Zeit und Distanz wird Selbstbeherrschung viel einfacher erlangt.‘ Epiktet

Was er damit meint, ist einfach und findet sich auch in esoterischen Lehren wieder: Die Dinge, Umstände oder Ereignisse sind an sich nicht gut oder böse; gut oder schlecht. Sondern sie werden erst durch Deine Einschätzung, durch Deine Beurteilung, durch Dein Denken und Fühlen zu guten oder schlechten Ereignissen.

Wobei hiermit nicht primär der Inhalt unserer Reaktion gemeint ist. Also ob wir auf ein Ereignis bspw. positiv oder negativ reagieren. Sondern auch, ob Du das Ereignis überhaupt registrierst, ob Du an ihm teilhast.

Wenn Dir zum Beispiel jemand einen Hasskommentar auf facebook hinterlässt, Du ihn aber nicht liest: gibt es den Haßkommentar für Dich überhaupt? Nein, denn Du nimmst nicht an diesem ‚Ereignis‘ teil.

Wenn ein Großunternehmen einige Millionen Gewinn macht, ist dies etwas anderes, als wenn Du einige Millionen im Lotto gewinnst. Weil Dein Kontext, Dein Bezug zu diesem Ereignis ein anderer ist.

Wenn Dir eine Kollegin aus einem Ärger heraus eine email schreibt, liegt es an Dir, wie Du diese email aufnimmst. Wie Du sie bewertest. Welche Bewertung Du ihr gibst. Ob sie gut oder schlecht ist – für Dich.

Es sind unsere Reaktionen auf Ereignisse, die den Ereignissen eine Einteilung in gut oder böse geben. Letztendlich bist DU also diejenige, die ein böse Ereignis erst zu einem bösen Ereignis macht. Oder ein gutes zu einem guten werden lässt.

Meistens. Denn hier muss man Epiktet relativieren und feststellen, dass es Ereignisse gibt, die nicht erst durch die Reaktion eines Menschen negativ werden. Kriege, Gewalt per se gehört sicher dazu. Solche Ereignisse hat Epiktet nicht gemeint, wenn er von ‚Angriffen‘ sprach.

Abgesehen davon, finde ich, stimmt die stoische Grundweisheit: Die Welt ist das, was DU daraus machst. Gut oder böse: liegt meistens in Deiner Betrachtung.

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